Der letzte Winter wird vielen sicher noch in Erinnerung sein, als es von Weihnachten an in den Bergen und auch im Flachland ununterbrochen schneite und niemand mehr wusste, wohin mit dem ganzen Schnee. Mir blieb er aber auch auf eine andere unangenehme Weise im Gedächtnis, denn hier lernte ich zum ersten Male die Gefahren kennen, die auf einen Straßenmusiker lauern.
Die Weihnachtszeit ist bekanntlich die Zeit, in der die Menschen das Gute in sich entdecken und mildtätiger und großzügiger mit ihren Finanzen umgehen. Das kommt natürlich auch Straßenmusikern zugute, weshalb wir uns jeden Abend in den Einkaufspassagen postierten, um den vom Weihnachts- und Einkaufsstress geplagten Menschen mit unserer Musik einige besinnliche Minuten zu bescheren. Die Münzen rollten nur so in unsere Mützen, so dass uns die kalten Füße nichts ausmachen. Wir machten uns einfach warme Gedanken, dachten an den Sommer und heiße Musiksessions unterm Sonnenschutz.
An einigen Nachmittagen und Abenden gönnte ich mir kaum eine Pause, machte mich erst am späten Abend auf den Heimweg und fiel völlig erschöpft in meine kuscheligen Hasena Betten, nachdem ich vorher noch ein heißes Bad genommen hatte. Eines Morgens bekam ich dann die Quittung für zu das lange Ausharren an zugigen Straßenecken mit von der eisigen Kälte gefrorenen Beinen: ich hatte mir eine Blasenentzündung zugezogen. Das war ziemlich unangenehm und ich machte mir große Sorgen, das ich nun auf das Weihnachtsgeschäft verzichten müsse. So machte ich gleich einen Termin bei einem Arzt, um so schnell wie möglich wieder fit zu werden. Der Urologe in Berlin verschrieb mir Antibiotika und erklärte mir, dass eine Blasenentzündung weniger durch kalte Füße verursacht wird, sondern eher durch Bakterien oder Keime. Aha, dachte ich, könnte also an den Toiletten am Bahnhof oder im Kaufhaus gelegen haben. Für diesen Abend entschuldigte ich mich bei meinen Kollegen und gönnte mir eine kleine Pause. Aber am nächsten Tag stand ich wieder mitten im Weihnachtstrubel. Wir hatten uns eine Stelle neben einer kleinen Kneipe gesucht, in der ich so oft ich wollte aufs Klo gehen konnte. Gottseidank waren nach 3 Tagen die Symptome abgeklungen, so dass ich wieder alles geben konnte.
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